Typische Mängel bei gewerblichen PV-Anlagen und wie Betreiber sie vermeiden
Interview mit Photovoltaik-Sachverständigem Pascal Kierstein
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- hyCLEANER Redaktion
Photovoltaikanlagen gelten als zuverlässige und langlebige Investitionen. Dennoch zeigen Gutachten und Anlagenprüfungen immer wieder, dass viele gewerbliche PV-Anlagen vermeidbare Mängel aufweisen. Häufig bleiben technische Auffälligkeiten, Verschmutzungen oder Leistungsverluste über lange Zeit unbemerkt und verursachen erhebliche wirtschaftliche Einbußen.
Für unseren hyCLEANER Expertenblog haben wir mit Pascal Kierstein, zertifizierter Photovoltaik-Sachverständiger des Bundesverbandes Solarwirtschaft sowie VdS-anerkannter Sachverständiger für Photovoltaikanlagen, über typische Schadensbilder, häufige Fehler und die Bedeutung von Wartung und Reinigung gesprochen.
Das Wichtigste in Kürze
- Mängel an DC-Verkabelung, Steckverbindungen und Befestigungen gehören zu den häufigsten Problemen gewerblicher PV-Anlagen.
- Verschmutzungen zählen zu den häufigsten Ursachen für schleichende Ertragsverluste.
- Hotspots, Materialschäden und beschleunigte Alterung können durch lokale Verschmutzungen begünstigt werden.
- Viele technische und wirtschaftliche Schäden lassen sich durch regelmäßige Wartung und Reinigung vermeiden.
- Betreiber unterschätzen die finanziellen Auswirkungen kleiner Leistungsverluste häufig erheblich.
- Ein strukturiertes Monitoring hilft dabei, Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und Folgeschäden zu vermeiden.
Typische Mängel aus der Gutachterpraxis
Welche Probleme oder Mängel begegnen Ihnen bei gewerblichen PV-Anlagen am häufigsten?
Pascal Kierstein: In der Praxis treten bei gewerblichen PV-Anlagen häufig Mängel im Bereich der DC-Verkabelung, Steckverbindungen sowie bei der fachgerechten Verlegung und Befestigung auf. Ebenso sind Verschmutzungen, unzureichende Wartung sowie thermische Auffälligkeiten an Wechselrichtern keine Seltenheit.
Bei älteren Anlagen zeigen sich vermehrt altersbedingte Verschleißerscheinungen wie Moduldegradation, Materialermüdung oder Probleme mit veralteten Komponenten. Neuere Anlagen profitieren zwar vom technischen Fortschritt, weisen jedoch häufiger Ausführungs- und Installationsmängel auf.
Entscheidend bleibt unabhängig vom Anlagenalter die Qualität von Planung, Ausführung und Wartung.
Gibt es typische „Klassiker“, die Sie immer wieder feststellen?
Pascal Kierstein: Ja, bestimmte Mängel treten immer wieder auf. Dazu zählen insbesondere unsachgemäß verlegte oder unzureichend befestigte DC-Leitungen, fehlerhafte Steckverbindungen sowie mangelhafte Erdungs- und Potentialausgleichssysteme.
Ebenfalls häufig anzutreffen sind verschmutzte Module, verschattungsbedingte Mindererträge und unzureichend gewartete Wechselrichter. Ein weiterer Klassiker ist ein fehlendes oder unzureichendes Monitoring, wodurch Leistungsabweichungen oft über längere Zeit unentdeckt bleiben.
Verschmutzung oder technischer Defekt – was wiegt schwerer?
Welche Rolle spielt Verschmutzung im Vergleich zu technischen Defekten?
Pascal Kierstein: Verschmutzung zählt zu den häufigsten Ursachen für Mindererträge, während technische Defekte vergleichsweise seltener auftreten, jedoch meist gravierendere Auswirkungen haben.
Verschmutzungen wirken kontinuierlich und führen schleichend zu Leistungsreduktionen. Technische Defekte hingegen können plötzliche Ausfälle verursachen. Aus sachverständiger Sicht sind beide Aspekte gleichwertig zu betrachten: Während Defekte die Betriebssicherheit betreffen, beeinflusst Verschmutzung maßgeblich die laufende Wirtschaftlichkeit der Anlage.
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Kann Verschmutzung weitere Schäden begünstigen?
Pascal Kierstein: Ja. Insbesondere lokal begrenzte Verschmutzungen – beispielsweise durch Vogelkot, Laub oder Staubablagerungen – können zu partieller Verschattung führen.
Dies kann die Entstehung von Hotspots begünstigen, bei denen einzelne Zellbereiche thermisch überlastet werden. Langfristig können daraus Materialschäden wie Zellrisse, Delaminationen oder eine beschleunigte Degradation entstehen.
Verschmutzung beeinflusst daher nicht nur den Ertrag, sondern kann auch die technische Lebensdauer der Module verkürzen.
Welche Schäden wären vermeidbar?
Welche Mängel lassen sich durch regelmäßige Wartung und Reinigung verhindern?
Pascal Kierstein: Ein erheblicher Teil der in der Praxis festgestellten Mängel wäre vermeidbar.
Dazu zählen verschmutzungsbedingte Mindererträge, Hotspot-Bildung durch partielle Verschattung sowie thermische Probleme infolge verschmutzter oder blockierter Wechselrichterkühlungen.
Auch lose Verbindungen, beschädigte Leitungen oder fehlerhafte Steckkontakte können bei regelmäßigen Sichtprüfungen frühzeitig erkannt werden, bevor größere Schäden oder Ausfälle entstehen.
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Die unterschätzten Kosten kleiner Mängel
Wie stark unterschätzen Betreiber die finanziellen Auswirkungen?
Pascal Kierstein: Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden häufig deutlich unterschätzt. Insbesondere schleichende Ertragsverluste durch Verschmutzungen oder kleinere technische Auffälligkeiten bleiben oft lange unbemerkt.
Erst wenn größere Störungen auftreten, wird der Handlungsbedarf erkannt. Zu diesem Zeitpunkt sind jedoch häufig bereits erhebliche Mindererträge entstanden.
Wie gut erkennen Betreiber Leistungsverluste überhaupt?
Pascal Kierstein: Viele Betreiber können Leistungsverluste ohne fundierte Auswertung von Monitoring-Daten nur schwer erkennen.
Schleichende Mindererträge bleiben häufig verborgen, insbesondere wenn Vergleichswerte oder eine regelmäßige Leistungsanalyse fehlen. Auffälligkeiten werden meist erst bei deutlichen Ertragseinbrüchen wahrgenommen.
Die wichtigste Empfehlung des Sachverständigen
Was ist der wichtigste Schritt zur Vermeidung typischer Schäden?
Pascal Kierstein: Der wichtigste Schritt ist die konsequente Umsetzung eines strukturierten Wartungs- und Monitoringkonzepts.
Nur die Kombination aus regelmäßigen Sichtprüfungen, messtechnischen Kontrollen, laufender Ertragsüberwachung und bedarfsgerechter Reinigung ermöglicht es, Abweichungen frühzeitig zu erkennen und zu beheben.
Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Maßnahme als die Kontinuität der Instandhaltung.
Fazit: Viele Schäden wären vermeidbar
Das Interview mit Pascal Kierstein zeigt deutlich: Die meisten wirtschaftlich relevanten Probleme bei gewerblichen PV-Anlagen entstehen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich über einen längeren Zeitraum. Insbesondere Verschmutzungen, unentdeckte Leistungsverluste und kleinere technische Auffälligkeiten können die Wirtschaftlichkeit einer Anlage erheblich beeinträchtigen.
Regelmäßige Wartung, professionelles Monitoring und eine bedarfsgerechte Reinigung helfen dabei,
- Ertragsverluste frühzeitig zu erkennen
- technische Schäden zu vermeiden
- die Betriebssicherheit zu erhöhen
- die Lebensdauer der Anlage zu verlängern
hyCLEANER unterstützt Betreiber gewerblicher PV-Anlagen mit professionellen Reinigungslösungen, die Ertrag, Betriebssicherheit und langfristige Wirtschaftlichkeit nachhaltig verbessern. Mit unserem Solar-Verlustrechner können Betreiber das potenzielle Ertragsdefizit ihrer Anlage schnell und einfach einschätzen.
Über den Interviewpartner
Pascal Kierstein begleitet Unternehmen und Anlagenbetreiber bei der technischen Bewertung, Analyse und Begutachtung von Photovoltaikanlagen. Zu seinen Tätigkeitsbereichen zählen unter anderem Schadensgutachten, Ursachenanalysen, die Bewertung von Ertragsverlusten sowie die fachliche Beurteilung von Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen.
Er ist zertifizierter Photovoltaik-Sachverständiger des Bundesverbandes Solarwirtschaft e. V. (BSW) sowie VdS-anerkannter Sachverständiger für Photovoltaikanlagen. In seiner täglichen Praxis unterstützt er Unternehmen bei der Bewertung von Anlagenzuständen, Schäden und technischen Auffälligkeiten.
Weitere Informationen: kierstein.info
FAQ: Mängel und Schäden von PV-Anlagen
Welche Mängel treten bei PV-Anlagen am häufigsten auf?
Häufige Mängel sind fehlerhafte DC-Verkabelungen, beschädigte Steckverbindungen, unzureichende Erdungssysteme, Verschmutzungen der Module sowie Probleme an Wechselrichtern.
Können Verschmutzungen Hotspots verursachen?
Wie lassen sich Leistungsverluste frühzeitig erkennen?
Durch ein professionelles Monitoring, regelmäßige Ertragskontrollen und den Vergleich mit standortspezifischen Einstrahlungswerten.
Mögliche Folgen sind Mindererträge, Hotspots, Materialschäden, Ausfälle von Wechselrichtern sowie Sicherheitsrisiken.
Durch ein professionelles Monitoring, regelmäßige Ertragskontrollen und den Vergleich mit standortspezifischen Einstrahlungswerten.
Wie wichtig ist die Reinigung für die Betriebssicherheit?
Verschmutzungen beeinflussen nicht nur den Ertrag, sondern können auch die Kühlung technischer Komponenten beeinträchtigen und dadurch Folgeschäden begünstigen.
Warum ist Monitoring bei PV-Anlagen so wichtig?
Monitoring hilft dabei, Leistungsabweichungen und technische Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und wirtschaftliche Schäden zu vermeiden.